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Bezos kauf Bond : Was Amazons Milliarden-Deal für den Streaming-Markt bedeutet

Amazons Filmsparte wird durch den MGM-Zukauf noch stärker. Ein weiteres Argument für die Kartellbehörden in ihren Kampf gegen den US-Konzern?

Bezos kauf Bond : Was Amazons Milliarden-Deal für den Streaming-Markt bedeutet

Amazon hat sich den Zukauf der MGM-Studios über acht Milliarden Dollar kosten lassen.Chris Delmas / AFP

Die ersten Gerüchte über den nächsten Megadeal von Amazon waren ausgerechnet an dem Tag aufgekommen, als das Bundeskartellamt ein neues Verfahren gegen den Technologiekonzern eröffnet hatte. Dabei soll geprüft werden, „ob Amazon eine überragende marktübergreifende Bedeutung für den Wettbewerb zukommt“, sagte Kartellamts-Chef Andreas Mundt.

Die Bedenken der Behörde dürften durch den gestrigen Zukauf eher noch zunehmen: Amazon übernimmt Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). 8,45 Milliarden US-Dollar (6,9 Milliarden Euro) bezahlt der weltgrößte Onlinehändler für das Hollywoodstudio. Für Amazon ist MGM die zweitgrößte Übernahme nach dem Kauf der Bio-Supermarktkette Whole Foods für 13,7 Milliarden Dollar vor vier Jahren.

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Dafür bekommt Amazon eine Bibliothek aus mehr als 4000 Streifen, darunter vor allem die James-Bond-Filmreihe oder „Rocky“. Zudem betreibt MGM auch den Kabelkanal Epix und produziert bekannte Fernsehserien wie „The Handmaid’s Tale“, „Fargo“ und „Vikings“ sowie Sendungen wie „Shark Tank“.

Amazon setzt auf Prime und Streaming

Amazon will damit seine Position im Videostreaming weiter stärken. Der Online-Händler ist dort inzwischen einer der großen Player auch weil sein Angebot im Abo-Dienst Prime mit mehr als 200 Millionen Kunden integriert ist. Fast 90 Prozent der Prime-Mitglieder haben im vergangenen Jahr bereits Serien und Filme gestreamt. Außerdem gehört auch Twitch, die weltgrößte Livestreamingplattform für Videospiele zu Amazon.

Direkt wird Amazon die MGM-Inhalte in vielen Fällen allerdings nicht nutzen können, da sie in mehrjährigen Verträgen mit Fernsehsendern gebunden sind. So könnte es laut „Reuters“-Quellen besonders schwierig werden, ausgerechnet eine neue Folge der „James Bond“-Saga zu den Prime-Zuschauern zu bringen. Allerdings wird erwartet, dass Amazon neue Shows und Filme basierend auf beliebten Charakteren exklusiv für Prime produziert. Disney beispielsweise erweitert sein Star-Wars-Angebot ständig um Auskopplungen. Ähnliches dürfte Amazon mit dem Geheimagenten 007 planen, der MGM über die Jahre allein an den weltweiten Kinokassen fast sieben Milliarden Dollar eingespielt hat.

Die Streamingkonzerne investieren mittlerweile neben dem Ankauf von Lizenzen auch viel Geld in eigene Produktionen, um das Angebot auszuweiten. Amazon etwa schraubte die Ausgaben für Inhalte vergangenes Jahr von 7,8 auf 11 Milliarden Dollar hoch. Der Konzern hat auch immer mehr in Sportrechte investiert, etwa für die National Football League, oder die Fußball Champions League, wo Amazons Streamingdienst von der kommenden Saison an das jeweilige Topspiel am Dienstagabend zeigt.

Kritik an Amazon in den USA wächst

Die immer größer werdende wirtschaftliche Macht von Amazon sorgt auch in den USA für zunehmende Bedenken. Der Generalstaatsanwalt der US-Hauptstadt Washington hat den Online-Handelsriesen gerade wegen des Vorwurfs verklagt, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. „Amazons Online-Handelsplattform profitiert von Amazons wettbewerbsfeindlichen Geschäftspraktiken und wird durch sie geschützt”, heißt es in der am Dienstag eingereichten Klage von Generalstaatsanwalt Karl Racine. Amazon kontrolliere zwischen 50 und 70 Prozent des Online-Handels in den USA und sorge für „künstlich aufgeblähte Preise”.

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Auch die „Megafusion“ sorgt für Kritik. „Sie sind laserfokussiert auf die Ausweitung und Verfestigung ihrer Monopolmacht. Das ist schlecht für Arbeitnehmer, Verbraucher und kleine Unternehmen“, schrieb David Cicilline, demokratischer Chairman des Antitrust Subcommittee auf Twitter. Der republikanische Kongressabgeordnete Ken Buck, Mitglied im Unterausschusses des Repräsentantenhauses für Kartellfragen, hatte den geplanten Zusammenschluss schon im Vorfeld als „weiteres Beispiel für das Streben von Big Tech nach totaler Dominanz in jedem Sektor unserer Wirtschaft“ bezeichnet. „Wenn der Kongress nicht bald handelt, wird es keinen Markt geben, den Big Tech nicht kontrolliert“, sagte Buck.

Warum die Behörden den Kauf wohl durchwinken

Trotzdem ist es fraglich, ob der Zukauf durch die Fusionskontrolle gestoppt wird. Amazon Studios produziert zwar selbst immer mehr Filme und Serien, ist dabei aber noch vergleichsweise klein. Und trotz des großen Namens rangiert auch das Hollywoodstudio mit dem brüllenden Löwen im Logo nach Einspielergebnissen nicht einmal unter den Top 10.

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Vielleicht bald leichter auf Amazon Prime Video zu finden: James-Bond-Darsteller Daniel Craig.REUTERS/Ginnette Riquelme/File Photo

Und auch wenn sich die EU-Kommission den Deal vermutlich ansehen wird, bekommt Amazon wohl auch hier die „license to killer aquisition“, sagt Rupprecht Podszun, Kartellrechtsexperte an der Universität Düsseldorf. „Amazon sichert sich damit zwar einige Juwelen, aber der Wettbewerb im Streamingmarkt ist mit Netflix oder Disney Plus weiter ziemlich stark“, sagt Podszun.

Der Zukauf passe in die Strategie der GAFA-Konzerne, sich durch Zukäufe auf immer neue Felder auszudehnen und so digitale Ökosysteme zu bauen, in denen die Kunden so viele Angebote wie möglich aus einer Hand bekommen. „Wir tun uns in der Fusionskontrolle aber damit schwer, da immer kleine, abgegrenzte Märkte betrachtet werden“, sagt Podszun.

Fusionskontrolle und der Digital Markets Act

Die Entwicklung hin zu mehr Marktkonzentration sei schlecht für die Filmindustrie, kleinere europäischen Unternehmen und Verbraucher:innen, warnt Rasmus Andresen (Grüne), Schattenberichterstatter zum Digital Markets Act im Industrieausschuss des Europäischen Parlaments. Man müsse diese Entwicklung genau im Auge behalten und eine ähnliche Entwicklung wie im Onlinehandel oder bei Social Media rechtzeitig verhindern. „Auch in aktueller Gesetzgebung wie dem Digital Markets Act sollten wir Streamingdienste adressieren“, sagt Andresen. „Politik und EU-Behörden sollten rechtzeitig reagieren und nicht in wenigen Jahren feststellen, dass man schon längst hätte handeln müssen.”

Die Konglomeratseffekte über Märkte hinweg sollen durch Anpassungen im Wettbewerbsrecht besser erfasst werden. So wurde mit der GWB-Novelle die „überragende marktübergreifende Bedeutung“ eingeführt, von der gerade geprüft wird, ob sie auf Amazon, aber auch Google, zutrifft. Und auch der geplante Digital Markets Act (DMA) der EU geht in diese Richtung.

„Allerdings hätte man auch damit keine Handhabe gegen solche Übernahmen“, sagt Podszun. Denn mit der GWB-Novelle und dem DMA können den Konzernen dann Verhaltensvorgaben gemacht und bestimmte Praktiken, wie eine Selbstbevorzugung, untersagt werden. Podszun rechnet jedoch damit, dass die praktische Anwendung solcher Vorgaben sehr schwierig werden dürfte. „Daher müsste auch die Fusionskontrolle bei digitalen Gatekeepern strenger werden“, sagt Podszun. Das sieht man offenbar auch in der Bundesregierung so: Die soll derzeit darauf drängen, dass die EU-Kommission künftig mit Hilfe des DMA auch Killerakquisitionen einfacher untersagen kann. 

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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