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Berliner Hockey-Nationalspieler : Olympia ist das große Finale für Martin Häner

Mit den Olympischen Spielen endet die Karriere des Berliner Hockeyspielers Martin Häner. In Tokio will er noch einmal eine Medaille gewinnen.

Berliner Hockey-Nationalspieler : Olympia ist das große Finale für Martin Häner

Der Sheriff. Martin Häner, der im August 33 wird, hat sich den Spitznamen verdient. Inzwischen arbeitet der Berliner als…Foto: Stefan Brauer/Imago

Eine Woche vor der Abreise nach Tokio hat es eine weitere unangenehme Nachricht gegeben, die durchaus dazu geeignet gewesen wäre, Martin Häners Vorfreude auf die Olympischen Spiele nachhaltig zu trüben. Eine Woche vor der Abreise nach Tokio wurde bekannt, dass die Wettkämpfe bei Olympia nun endgültig ohne Zuschauer stattfinden werden. „Natürlich wäre es schön gewesen, wenn Zuschauer dabei wären“, sagt Häner, der deutsche Hockey-Nationalspieler. Aber dass es nicht so kommen würde, damit hatte er schon gerechnet: „Das, was wir gerade bei der Fußball-EM erlebt haben, ist nicht das, was sein sollte.“

Tokio 2021 sind für Martin Häner die dritten Olympischen Spiele, an denen er teilnimmt. Sie werden anders sein als die bisherigen, die er erlebt hat, in jeder Hinsicht besonders: mit Maskenpflicht im olympischen Dorf, mit Abstands- und Hygieneregeln und mit einer eigenen App, die anzeigt, wie groß gerade der Andrang in der Mensa ist. „So richtig wissen wir gar nicht, was uns da erwartet“, sagt Häner.

Für den Berliner, der im August 33 Jahre alt wird, werden diese Spiele aber vor allem deshalb besonders sein, weil es seine letzten sind. In dem Moment, in dem für die deutschen Hockeymänner in Tokio die finale Schlusssirene ertönt, endet unwiderruflich auch Häners Karriere als Sportler. Schon vor langer Zeit hat er das so beschlossen. Nur hat Martin Häner da noch gedacht, dass im Sommer 2020 für ihn Schluss sein würde. Und nicht im Sommer 2021.

Seit der Verschiebung der Olympischen Spiele wegen der Coronavirus-Pandemie ist einiges passiert. Häner, der als Assistenzarzt im Martin-Luther-Krankenhaus arbeitet, ist ein zweites Mal Vater geworden, die Familie baut gerade ein Haus. Passt Olympia da überhaupt in die Lebensplanung? Lohnt sich der ganze Aufwand, neben Beruf und Familie, ein zweites Mal? „Für eine Weltmeisterschaft hätte ich das niemals gemacht“, sagt Häner. Aber Olympia ist eben eine andere Nummer. Olympia ist letztlich der Grund, warum man die ganzen Strapazen auf sich nimmt – in einer Sportart, die zwar für viele Medaillen gut ist, aber eben nicht für viel Geld.

Häner war Deutscher Meister, Junioren-Weltmeister, Europameister und Olympiasieger

Auf Olympia zu verzichten, das wäre für Martin Häner „mehr als unzufriedenstellend“ gewesen. Am Samstag in einer Woche starten die deutschen Hockeymänner mit dem Gruppenspiel gegen Kanada in das olympische Turnier. Für Häner wird es das 273. Länderspiel seiner Karriere sein. Er war Deutscher Meister mit dem Berliner HC, Junioren-Weltmeister, Europameister, Kapitän der Nationalmannschaft, hat bei Olympia Gold (London 2012) und Bronze (Rio 2016) gewonnen. Acht Länderspiele sind es im Idealfall noch, falls die Deutschen am Ende um eine der drei Medaillen mitspielen.

Für Häner wäre es der glänzende Schlusspunkt hinter eine glänzende Karriere, die am 30. Juli 2005 mit seinem ersten Länderspiel in Dublin gegen Irland angefangen hat. Häner war 16. „Das ist schon echt lange her“, sagt er. So lange, dass er nicht mal mehr weiß, „ob wir gewonnen oder unentschieden gespielt haben“. 2:1 hieß es am Ende für die Deutschen. Bundestrainer war Bernhard Peters, der später in den Fußball gewechselt ist. „Unter ihm zu spielen, war schon was ganz Besonderes“, erzählt Häner. Peters, bekannt für seine direkte Art, habe klare Ansprüche an ihn gestellt, ganz egal wie jung er damals noch war. „Wenn du hier dabei bist, dann hat das auch einen Grund“, sagte der Bundestrainer zu ihm. „Ich erwarte, dass du dich nicht versteckst und zeigst, was du kannst.“

Wenn der 32 Jahre alte Dr. Häner heute auf den knapp halb so alten Schüler Martin zurückblickt, dann sieht er einen Jungen, der mit seiner forschen Art manches Mal angeeckt ist. „Es wäre sicher hilfreich gewesen, sich in gewissen Situationen mehr zurückzuhalten“, sagt er. „Wenn man mit Kritik nicht immer so umgeht, wie die Alten sich das vorstellen, kriegt man am Anfang relativ viel Probleme.“ Häner hätte es einfacher haben können, wenn er die damals noch heiligen Hierarchien mehr geachtet hätte. Aber wer weiß, wozu es gut war, „dass man sich gegen Widerstände durchgekämpft hat“?

Den Spitzenamen „Sheriff“ trägt Häner nicht umsonst

Seine Position als freier Innenverteidiger war und ist eben keine für Duckmäuser. Da muss man sich Gehör verschaffen, die Kommandos geben, auch mal hart zur Sache gehen. All das hat Häner getan und ihm den Spitznamen „Sheriff“ eingebracht. Anfangs fand er den nicht so toll. Andererseits trifft er die Sache eben auch ganz gut. Der Sheriff ist einer, der für Ordnung sorgt, „der guckt, dass er seinen Bezirk unter Kontrolle hat“. Das wird Häner auch bei Olympia wieder tun, um das Ziel zu erreichen, auf das sich die Mannschaft verständigt hat: erst einmal eine Medaille holen.

„Wir haben schon ein bisschen davon profitiert, dass sich Olympia um ein Jahr verschoben hat“, sagt Häner. Erst 2019, wenige Monate vor dem eigentlichen Termin für die Spiele, hatte Kais al Saadi das Team als Bundestrainer übernommen. „In der Kürze der Zeit wäre es mit Sicherheit schwer gewesen, mit dem neuen Trainer etwas aufzubauen“, glaubt Häner. Seit dem Frühjahr aber haben die deutschen Männer beachtliche Fortschritte gemacht. „Man merkt schon, dass sich in der Mannschaft irgendwas getan hat“, sagt Häner.

In der Vergangenheit war es oft so, dass das Team gerade in den entscheidenden Momenten nicht zu seiner besten Leistung fähig war. „Jetzt haben wir es hinbekommen, dass wir auch in wichtigen Spielen unser Top-Niveau gezeigt haben.“ Bei der EM im vergangenen Monat verloren die Deutschen erst im Penaltyschießen gegen Gastgeber Holland, nachdem sie bis wenige Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit sogar noch geführt hatten. „Wenn bei uns auf dem Feld die Emotionen stimmen und jeder alles für das Team investiert, können wir auch die absoluten Top-Nationen schlagen“, sagt Häner. „Diesen Glauben hatten wir – warum auch immer – in den Jahren zuvor nicht.“

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Das nährt die Hoffnung, dass der Abschied mit der Nationalmannschaft für Häner glücklicher ausfällt als der mit seinem Klub. Im Mai hat er letztmals für den BHC gespielt, im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. 2:1 führten die Berliner gegen Rot-Weiß Köln, am Ende hieß es 2:4. „Es tut mir so leid, ihn mit einer Niederlage zu verabschieden“, sagt BHC-Trainer Rein van Eijk. „Das hat er nicht verdient.“ Für Häner selbst war es „ein kurzer Moment, wo man traurig war“, erzählt er, „aber auch nichts, was mich wochenlang beschäftigt hätte“.

Auch auf das Ende seiner Karriere ist er vorbereitet. Häner ist nicht betrübt, weil es bald vorbei ist, auch nicht wehmütig. „Ich habe das mental ganz gut verarbeitet“, sagt er. „Ich habe gemerkt, dass es langsam reicht, und bin auch froh, wenn die Zeit zu Ende ist.“ Den Schläger wird er für längere Zeit zur Seite stellen, eine aktive Rolle im Hockey hat er erst einmal nicht für sich vorgesehen. Und Versuche, ihn zum Weitermachen zu überreden, hat es auch nicht gegeben. „Gar nicht“, sagt Martin Häner. „Weil alle wissen, dass ich eine Entscheidung, die ich einmal getroffen habe, auch durchziehe.“

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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