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Berlinale: Begegnung mit Claire Denis : Die Liebe, das Gift und die Masken

Hart, aber herzlich: Eine Begegnung mit Claire Denis, der Grande Dame des französischen Kinos.

Berlinale: Begegnung mit Claire Denis : Die Liebe, das Gift und die Masken

Claire Denis (M) auf der Berlinale, in Begleitung ihrer Hauptdarsteller Juliette Binoche und Vincent Lindon.Foto: AFP/John MacDougall

Die Berlinale empfängt Claire Denis mit offenen Armen, nicht zuletzt, weil sich stets namhafte Stars des französischen Kinos in ihrer Entourage befinden. (Man kann es kaum glauben, dass Denis in Berlin noch nie über den roten Teppich lief.) In diesem Jahr geben Juliette Binoche und Vincent Lindon, die Hauptdarsteller in ihrem Wettbewerbsfilm “Both Side of the Blade” in den Hotelzimmern nebenan Interviews.

Schauspielerinnen und Schauspieler reißen sich darum, in ihren Filmen mitzuspielen, weil sie bei Denis garantiert nicht mit 08/15-Rollen abgespeist werden.

Das erste Mal Claire Denis zu treffen, ist daher eine durchaus respekteinflößende Erfahrung. Mit ihren 75 Jahren ist sie inzwischen eine Art Grande Dame des französischen Kinos, man sollte sich von ihrer zierlichen Erscheinung aber auch nicht täuschen lassen. Sie hat mit „Trouble Every Day“ einen blutigen Vampir-Liebesfilm gedreht, ihre Vorstellung von Liebe und Romantik sind sehr speziell. Und kontrovers.

Claire Denis gibt ihre Interviews auf Englisch, was praktisch ist, weil sie so immer wieder ein „What The Fuck“ in ihre Antworten einstreuen kann. Sie spricht hart, aber herzlich, bei Fragen, die ihr nicht passen, reagiert sie kurz angebunden. Man glaubt ihr, wenn sie fast entschuldigend meint: „Was habe ich in meiner Wut nicht schon alles zu Männern gesagt …“

Von diesen Reibungen leben ihre Filme, sie ist vernarrt in komplizierte Männer und Frauen. Mit Binoche hat sie nun zum dritten Mal in Folge gedreht. Gegenseitiges Vertrauen, sagt sie, sei bei dieser Arbeit unersetzlich: „Filme drehen ist so langweilig, wirklich. Eine Regisseurin muss eine Anziehung zu ihren Darstellern spüren, anders funktioniert es nicht.“

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Der Filmtitel „Both Side of the Blade“, nach einem Song von Tindersticks-Sänger Stuart Staples, sei das perfekte Sinnbild für zwischenmenschliche Beziehungen, so Denis: „In der Liebe verletzt man leicht Menschen, bringt sich aber auch selbst in Gefahr. Sie hat einen Preis. Sara ist das bewusst.“ Für Denis ist die Binoche-Figur ein Frau, die sich nicht auf die Sicherheit einer stabilen Partnerschaft verlässt und Freiheiten austestet – ähnlich der Rolle, die Binoche in „Meine schöne innere Sonne“ gespielt hat.

Die Filme bilden tatsächlich eine Klammer in Denis’ jüngerem Werk, an beiden Drehbüchern hat sie mit der Schriftstellerin Christine Angot gearbeitet. Zwar beschreibt Denis Sara als „frei und zerbrechlich“, aber ihr Spiel in der Ménage-à-trois steht gewissermaßen auf Messers Schneide. So richtig durchschaut man den feministischen Blick der Regisseurin auf ihre Figur nicht, deren selbstbestimmte Haltung zunehmend Risse zeigt. Binoche bestätigt diese Irritation indirekt. Sie erzählt in Interview, so hört man später, wie unglücklich sie mit ihrer Figur Sara im Nachhinein ist. Gerne hätte man da bei Denis nachgebohrt, die von der Zusammenarbeit schwärmt.

Sie gibt aber zu, dass die Dreharbeiten nicht einfach waren. Die Suspense in der ersten Hälfte von die „Both Sides of the Blade“, die ein Geheimnis um die drei Hauptfiguren insinuiert, sei nicht beabsichtigt gewesen erzählt Denis. Die Nerven lagen blank, erinnert sie sich: „Wir standen unter Spannung.

Denis war es wichtig, dass die Pandemie im Film ständig präsent ist

Es war Winter, wir drehten in einem Apartment, alle trugen Masken.“ Die Idee zu dem Film haben Denis und Angot zu Beginn des ersten Lockdowns ausgebrütet, zum Schreiben zogen sie sich drei Tage in ein Hotelzimmer in Montpellier zurück. Dass die Pandemie in „Both Side of the Blade“ eine ständige Präsenz haben würde, war Denis wichtig. „Ich verstehe Regisseure, die das ignorieren wollen. Mir ist es aber wichtig, in der Zeit zu filmen, die wir durchleben.“

Sie kann sich auch nicht vorstellen, dass sich die Pandemie aus dem Kino verbannen lässt. „Ich erinnere mich an meine ersten Film, wir erlebten gerade das HIV-Virus. Damals hatte ich die Sorge, dass das Kino diesen Moment nicht festhalten würde. So viele sind gestorben, keiner hat sie vergessen.

Covid wird zwar nicht die Krankheit der Liebenden sein, aber sie berührt die Beziehungen aller Menschen.“ Claire Denis mag keine Romantikerin sein, dafür kennt sie sich mit vergifteten Beziehungen aus.
Eine Filmkritik zu “Both Sides of the Blade” lesen Sie hier.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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