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Bargeldlos in den Bus – Welche Berliner bleiben auf der Strecke?

Bargeldlos in den Bus – Welche Berliner bleiben auf der Strecke?

Monika Burandt (62), Rentnerin aus Weißensee: „Ich kaufe mir meine Tickets immer auf Vorrat. Jetzt habe ich noch einige übrig, aber die sind jetzt ungültig, umtauschen kann ich sie auch nicht mehr. In der Corona-Zeit bin ich nicht oft Bus gefahren. Ich habe das mit der Preiserhöhung erst durch Zufall erfahren. 10 Cent kostet jetzt ein Ticket mehr. Wenn sie schon Elektronik einsetzen, warum gibt es dann nicht einfach die Möglichkeit der Zuzahlung?“
Foto: Charles Yunck

Die vorderen Bus-Türen können wieder zum Einsteigen genutzt werden und ab sofort können auch wieder Fahrscheine beim Fahrer gekauft werden. Aber es ist nicht möglich, das Ticket mit Bargeld zu bezahlen – das geht nur noch mit ec- oder Kreditkarte. Bleiben dabei nicht viele Berliner auf der Strecke?

Wegen Corona durften Fahrgäste seit März 2020 in Bussen nur noch hinten einsteigen, riesige Plastikfolien sollten die Fahrer vor dem Virus schützen. Inzwischen wurden 1400 Busse mit Trennscheiben ausgerüstet. Kosten: 2,1 Millionen Euro!

Bargeldlos in den Bus – Welche Berliner bleiben auf der Strecke?

Waltraud Eck (78) aus Charlottenburg: „Nur elektronisch zu bezahlen, finde ich nicht gut. Dadurch werden die älteren Menschen abgehängt, die keine ec-Karte oder ein modernes Handy besitzen.“ (Foto: michael körner)

Warum aber das neue Zahlverfahren? Es soll dafür sorgen, dass der Einstieg schneller funktioniert. Und es dadurch zu weniger Verspätungen kommt.

Bargeldlos in den Bus – Welche Berliner bleiben auf der Strecke?

Michel Cenzano (41), Umzugs-Unternehmer: „Das hat Nachteile und auch Vorteile. Nicht jeder verfügt über eine Kreditkarte oder ein Handy mit Zahl-Funktion. Könnte auch sein, dass das Akku vom Handy leer ist. Was dann? Bargeld ist immer eine sichere Bank.“ (Foto: michael körner)

Den Verzicht der BVG auf Bargeldzahlung kritisiert der Fahrgastverband IGEB. Er fordert den Senat auf, das Fahrscheine weiterhin mit Bargeld gekauft werden können. Die erst seit Montag gültige Praxis sei „vor allem unsozial“.

Bargeldlos in den Bus – Welche Berliner bleiben auf der Strecke?

Brigitte Nisblé (71), Rentnerin aus Charlottenburg: „Was sollen die älteren Menschen machen, die auf Bargeld angewiesen sind? Die moderne Elektronik ist ein Katastrophe! Ich kaufe meine Tickets immer im Lotto-Laden. Die meisten fahren derzeit doch schwarz. Und wir zahlen für die drauf.“ (Foto: michael körner)

Auch Verkehrs-Experte Daniel Buchholz (53, SPD) kann dem Bargeld-Verbot der BVG nichts abgewinnen. Der Politiker zur B.Z.: „Sollen Busfahrer ältere Menschen aus dem Bus werfen, weil sie bar zahlen wollen und keine elektronischen Zahlungsmittel benutzen? Es muss wieder überall bei der BVG möglich sein, mit Bargeld einen Fahrschein zu kaufen! Neue ‚Plastik-Barrieren‘ für die Kunden sind der falsche Weg.“

Bargeldlos in den Bus – Welche Berliner bleiben auf der Strecke?

Marita Rennhack (72) Rentnerin aus Lichtenberg mit Enkelin Karla (7): „Meine Enkelin hat ein Schülerticket. Ich selber habe die Seniorenkarte 65 plus, damit fahre ich billiger, als wenn ich mir einzelne Tickets kaufen müsste. Abgesehen davon ist mit Karte bezahlen der Trend der Zeit. Diejenigen, die sich vorher kein Ticket gekauft haben, werden schwarz fahren.“ (Foto: Ufuk Ucta)

Der BVG schwebt bereits eine andere Lösung vor: „Wir planen eine Guthaben-Karte, die man selber aufladen kann“, sagt BVG-Sprecher Markus Falkner. Das gibt es bereits in vielen europäischen Städten, u.a. in Brüssel, Amsterdam und London. Die Einführung soll vermutlich schon im Herbst erfolgen.

Bargeldlos in den Bus – Welche Berliner bleiben auf der Strecke?

Daniela Rossa (37) aus Spandau: „Ich finde es richtig gut, dass man jetzt seine Tickets im Bus elektronisch bezahlen kann. Ich habe eh nie Kleingeld in der Tasche. An den meisten Bushaltestellen stehen sowieso keine Automaten, wo ich Karten kaufen könnte. Und seit Corona habe ich mir angewöhnt, alles mit Karte zu bezahlen.“ (Foto: Ufuk Ucta)

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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