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Ausbau der Dresdner Bahn im Süden Berlins : Chancen für neue Bahnhöfe schwinden

Bezirk und Anwohner wünschen sich am Kamenzer Damm und der Buckower Chaussee zusätzliche Bahnhöfe. Doch die Chancen schwinden immer mehr. 

Ausbau der Dresdner Bahn im Süden Berlins : Chancen für neue Bahnhöfe schwinden

Am Kamenzer Damms wird die S-Bahn nach rechts verlegt. Das erste neue Gleis liegt schon (rechts).Foto: Jörn Hasselmann

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 sollen die ersten Züge über die Dresdner Bahn fahren. Gebaut wird seit einigen Jahren, bislang scheint das Milliardenprojekt im Zeitplan. Doch die Chancen, dass zwei neue Stationen gebaut werden, eine für die S-Bahn, eine für Regionalzüge, schwinden immer mehr. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Anwohner und Unternehmer wünschen einen zusätzlichen S-Bahn-Halt am Kamenzer Damm sowie einen Regiohalt an der Buckower Chaussee, dort hält bereits die S-Bahn.

Die Bahn hat jetzt zahlreiche Fakten genannt, die beiden Projekte entgegenstehen. Am Kamenzer Damm (zwischen Attilastraße und Marienfelde) müssten “Schallschutzwände, Kabeltiefbau und Signaltechnik angepasst” werden. Dies teilte Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese auf eine Anfrage der beiden CDU-Abgeordneten Christian Zander und Oliver Friederici mit. Beide Politiker befürchten, dass “diese zusätzlichen Haltepunkte doch wieder ins Wackeln geraten”. 

Die Verkehrsverwaltung ist zwar prinzipiell für die beiden Stationen, schränkt aber ein: “Voraussetzung für die Umsetzung sind die betriebliche Machbarkeit sowie der Nachweis der Wirtschaftlichkeit.”  Eine positive Bewertung in der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung ist zwingende Voraussetzung für einen finanziellen Zuschuss vom Bund. Doch schon die “Machbarkeit” erscheint unsicher. 

Es wackelt nicht nur, es wankt. Wenn die Strecke 2025 fertig ist, müsste sie an zwei Stellen wieder teilweise abgerissen werden. Denn die beiden zusätzlichen Bahnhöfe werden beim Bau, der 2018 begonnen hat, völlig ignoriert. Eine Änderung der Pläne oder des Bauablaufs wird es nicht geben, da Deutsche Bahn und Politik große Sorgen haben, dass es dann wieder zu Klagen und Verzögerungen kommen wird.

Bekanntlich war über den Neubau der beiden Ferngleise Jahrzehnte diskutiert und gestritten worden, Anwohner hatten durch alle Instanzen hindurch versucht, das Projekt zu torpedieren. Über die beiden Gleise parallel zur bestehenden S-Bahn sollen ICE Richtung Dresden fahren sowie der Flughafenexpress zum BER. Dies soll nicht gefährdet werden. 

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Ein nachträglicher “Anbau” von zusätzlichen Bahnsteigen würde den Betrieb auf der frisch eröffneten Strecke massiv behindern. “Der S-Bahnverkehr muss während der Baumaßnahme eingeschränkt werden. Im besten Fall wäre ein eingleisiger Bahnbetrieb möglich”, teilte die Bahn mit. Und weiter: “In Abhängigkeit zur gewählten Variante kann zusätzlich die Verschiebung eines S-Bahngleises notwendig werden.”

Selbst der Abriss und Neubau der Straßenbrücke im Zuge des Kamenzer Damms/Lankwitzer Straße ist nicht ausgeschlossen. Durch den Bau von Treppen am Kamenzer Damm “wäre zu prüfen, inwiefern der Bestandschutz aufgehoben wird und Anpassungen an der Straßenüberführung erforderlich werden”, teilte die Deutsche Bahn weiter mit. Für die Betriebe und Anwohner, die die Station fordern, liest sich das wie eine Drohung. 

Wirtschaftsvertreter fordern einen schnellstmöglichen Bau

Im Einzugsbereich der Station Kamenzer Damm sind zwar nur wenige Wohnungen, aber sowohl das Gewerbegebiet Großbeerenstraße wie auch der Gewerbestandort Marienpark auf dem Areal des ehemaligen Mariendorfer Gaswerks liegen direkt daneben. Guido Schütte von der Entwicklungsgesellschaft Investa Real Estate, die den “Marienpark” betreibt, hatte bereits vor vier Wochen, als die ersten Details bekannt geworden waren, den Bau des Bahnhof “so schnell wie möglich” gefordert.  

Umgehend müsste mit der Planung begonnen werden, hatte Schütte dem Tagesspiegel gesagt. Der Marienpark-Mann wundert sich, dass “über verlängerte Fahrzeiten diskutiert werde”. Doch es sind nicht nur die ein oder zwei Minuten, die die S-Bahn hält am Kamenzer Damm. Das ganze Betriebskonzept der S-Bahn müsste geändert werden. Denn das Nadelöhr liegt südlich der Stadtgrenze. Zwischen Lichtenrade und Mahlow ist die Strecke eingleisig. Obwohl seit dem Mauerfall nun über 30 Jahre vergangen sind, und obwohl seit 20 Jahre geplant wurde, wird es dort kein zweites S-Bahn-Gleis geben. Auch dies ist nicht beim Neubau der Ferngleise berücksichtigt worden.

Die Fahrzeit würde sich um fünf Minuten verlängern

Fahrgastverbände haben dies immer wieder als extrem kurzsichtig kritisiert. “Mit dem zusätzlichen Halt und unter Berücksichtigung der Wendezeiten verlagert sich die Begegnung der S-Bahnen von Mahlow nach Lichtenrade”, teilte die Bahn mit. “Demzufolge muss die stadtauswärtsfahrende S-Bahn auf die entgegenkommende S-Bahn warten” – die Fahrt verlängert sich so um fünf Minuten – für alle. Auch dies wird eine Wirtschaftlichkeitsberechnung negativ beeinflussen. 

In diesem und den kommenden Jahren wird es mehrere lange Sperrungen der S2 auf ihrem südlichen Ende geben. Denn die beiden S-Bahn-Gleise müssen nach Westen rücken, damit die beiden neuen Fernbahngleise Platz bekommen. Die letzten Kilometer bis Blankenfelde werden für mehr als ein Jahr ohne S-Bahn auskommen müssen.  

Ausbau der Dresdner Bahn im Süden Berlins : Chancen für neue Bahnhöfe schwinden

An der Buckower Chaussee hat der Abriss der Station noch nicht begonnen. Foto: Jörn Hasselmann

Noch schlechter sieht es an der Buckower Chaussee aus. Dort wünscht sich neben dem Bezirk das Unternehmensnetzwerk Motzener Straße einen Halt von Regionalzügen. Die aktuelle Bauzeit bis 2025 mit den vielen Sperrungen sollte genutzt werden, um den Regiohalt gleich mit zu bauen, hatte Ulrich Misgeld vom Netzwerkvorstand im März dem Tagesspiegel gesagt. Wenn die Bahnsteige erst nachträglich gebaut werden, würde es die neue Fernbahn behindern oder sogar Sperrungen nötig werden, hatte Misgeld  befürchtet. 

Und genau das hat die Bahn jetzt für die Buckower Chaussee bestätigt: “Es ist im Mindestfall von einer eingleisigen Sperrung auszugehen.” Dies, das hatte Misgeld schon im März prophezeit, sei “kurz nach Eröffnung politisch nicht durchsetzbar”. Dies bestätigte ein Insider. ICE und Flughafenexpress nach Eröffnung der Dresdner Bahn gleich wieder auszubremsen oder umzuleiten, sei völlig undenkbar. Ein Verkehrsplaner sagte, dass an der Buckower Chaussee die S-Bahn völlig ausreichend sei. Regionalzüge sollen die Stadt mit dem Umland verbinden. Nach den derzeitigen Planungen werden die Regionalzüge auf der Dresdner Bahn zwischen Südkreuz und Blankenfelde nicht halten. 

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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