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Auf Nachtschicht mit Berlins Polizei-Spezialtruppe gegen Jugendgewalt

Auf Nachtschicht mit Berlins Polizei-Spezialtruppe gegen Jugendgewalt

Handschellen angelegt: Festnahme eines Tatverdächtigen in der Isarstraße. Die OGJ-Polizisten eamten unterstützen ihre uniformierten Kollegen vom Abschnitt, suchen nach Zeugen
Foto: Ralf Günther

Jugendliche drängen ins Freie, stürzen sich ins Nachtleben. Parks werden zu Festivals, Brücken zu Clubs, Straßen zur Kneipe. Nicht immer bleibt es friedlich. Wenn es zu heftig wird, kommen die Experten zum Einsatz!

Das sind die Frauen und Männer der „Operativen Gruppe Jugendgewalt (OGJ)“. „Am Besten ist aber, wir sind schon vorher da“, sagt einer von ihnen. B.Z.-Reporter haben den Trupp der Direktion-City (Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln, Mitte) eine Nachtschicht begleitet.

18.14 Uhr, Abschnitt 52 an der Friesenstraße (Kreuzberg). OGJ-Chef Alexander D. (45, Name geändert) gibt seinen fünf Mitarbeitern eine kurze Lage-Einweisung aus der Nacht. „Versuchter Einbruch in Schützenverein, Randale im Weinbergspark.“ Ein berüchtigter Instagram-Account hat für heute „Saufen im James-Simon-Park“ angekündigt. Abfahrt.

Auf Nachtschicht mit Berlins Polizei-Spezialtruppe gegen Jugendgewalt

Chef Alexander D. (45, schwarzes Polohemd) erläutert den Einsatz im Büro auf dem Abschnitt 52 (Friesenstraße) (Foto: Ralf Günther)

„Wir fahren jetzt Hotspots an und hören aufmerksam den Funk“, sagt der Hauptkommissar, ein 1.95-Meter-Hüne, Leichtathlet, kantiges Gesicht. Seit März ist er OGJ-Chef.

19.36 Uhr, Eilfahrt zur Isarstraße (Neukölln). Ein junger Mann ist verprügelt worden. „Von Remmos“, sagt er, dem berüchtigten Familien-Clan. Die Lage vor Ort ist unübersichtlich. Zwei Opfer, zwei Festnahmen. Die Tatverdächtigen in Handschellen. „Bist du bei uns bekannt?“, fragt ein OGJ-Beamter. Der Junge mit Goldkette um den Hals antwortet: „Ich hatte ewig nichts mit der Polizei zu tun. Das letzte Mal vor sechs Monaten.“

22.07 Uhr, eine Döner-Bude an der Yorckstraße (Schöneberg). Beim Essen entdecken die Zivilbeamten einen mutmaßlich gesuchten Räuber aus dem Park am Gleisdreieck. Von ihm haben sie nur ein verschwommenes Foto auf dem Diensthandy. Sie sprechen ihn höflich, aber direkt an. „Ich hab doch ganz andere Arme“, sagt er mit zittriger Stimme. Schnell wird klar: Er war es nicht. „Der wäre fast vor uns umgekippt vor Aufregung“, sagt der OGJ-Chef.

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Die Beamten dachten, einen Räuber wieder erkannt zu haben – Überprüfung! Doch der junge Mann ist nicht der Tatverdächtige (Foto: Ralf Günther)

22.17 Uhr, James-Simon-Park. 500 Personen feiern – auch die Fußball-EM. Eine Einsatzhundertschaft beginnt, die Grünfläche zu räumen. „Finde ich gut, dass damit früher begonnen wird und nicht erst, wenn 2000 Personen hier sind“, sagt eine OGJ-Beamtin. Es bleibt friedlich. Zurück im Fahrzeug. Der Funk rauscht. Jede zweite Meldung aus der Zentrale: Lärmbelästigung.

23.51 Uhr, Alarm am Görlitzer Park. Ein junger Mann hat Pfefferspray abbekommen, mutmaßlich von einem Dealer. Er spült sich die Augen mit Cola aus, großes Theater. Die OGJ kann nicht viel machen, eine Täterbeschreibung hat das Opfer nicht. Ein Feuerwehrmann reicht den Zivilpolizisten Wasser. „Wenn er ein zweites Mal stirbt, gebt ihm die Flaschen.“

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Eine OGJ-Beamtin hilft einem jungen Mann, der am Görlitzer Park Pfefferspray abbekommen hat (Foto: Ralf Günther)

0.46 Uhr, der Park am Gleisdreieck ist fast leer. „Wir merken, dass die Corona-Regeln gelockert wurden, die Clubs und Außengastronomie geöffnet sind“, sagt der OGJ-Chef. Der Trupp dreht ab.

1.32 Uhr, der VW T5 mit den Zivilbeamten an Bord kreist um eine Party unter dem U- und S-Bahnhof Warschauer Brücke in Friedrichshain. Hunderte tanzen auf den Treppen, jemand hat eine Musikanlage mitgebracht und eine überdimensionale Diskokugel aufgehangen. Ein Hotspot, aber für die OGJ kein Grund einzuschreiten.

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Unter dem U- und S-Bahnhof Warschauer Brücke gibt es auf den Treppen eine Spontan-Party. Die OGJ-Beamten klären die Situation auf, eingreifen müssen sie nicht (Foto: Ralf Günther)

► Um 2.30 Uhr geht’s zurück zum Abschnitt in die Friesenstraße. Jetzt heißt es Abrödeln – also Schutzweste ablegen, Waffe verschließe. Dann Schreibarbeit.

„Eine ruhige Nacht“, sagt der OGJ-Chef. Nächster Dienstbeginn: abends um 18 Uhr.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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