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Am Strich in Schöneberg – Das ist Berlins Szene-Kirche

Am Strich in Schöneberg – Das ist Berlins Szene-Kirche

Pfarrer Burkhard Bornemann (57) trägt mitunter auch Leder im Gotteshaus
Foto: christian lohse

Die Fenster bestehen aus Ginflaschen, Prosituierte sitzen im Gottesdienst und der Pfarrer ist schwul. Willkommen in der der Zwölf Apostel Kirche in Schöneberg!

Dieses Gotteshaus steht an einem Ort der Sünde. Die Mauern der Zwölf Apostel Kirche grenzen an den Strich der Kurfürstenstraße. Täglich verschwinden Prostituierte mit ihren Freiern im Klo-Häuschen vor der Kirche. Pfarrer Burkhard Bornemann (57) sieht in der Herausforderung eine Chance.

Am Strich in Schöneberg – Das ist Berlins Szene-Kirche

Die Zwölf Apostel Kirche zwischen Bülow- und Kurfürstenstraße (Foto: Christian Lohse)

„Ich glaube, dass unsere Gemeinde vor allem wegen des besonderen Standortes anders ist“, sagt der Geistliche. Seit acht Jahren ist er Pfarrer der evangelischen Kirche. Viele der Prostituierten kennt er, grüßt sie und plaudert mit ihnen.

Kostenloses Essen und Beratungstermine für Prostituierte

Einmal die Woche lädt Bornemann die Frauen zum Essen ein. Die Mittwoch-Initiative bietet neben einem kostenlosen Essen auch Beratungstermine an – das gibt es seit den Neunzigern. „Die Gemeinde lebt schon lange die große Offenheit für alle“, sagt der Pfarrer. Zum Gottesdienst kommen neben Familien auch Prostituierte.

Am Strich in Schöneberg – Das ist Berlins Szene-Kirche

Bornemann mit Mops Paula in der Kirche (Foto: Christian Lohse)

Jedes Jahr findet in der Kirche das Konzert „Classic Meets Fetish“ statt. Besucher kommen in Lack und Leder – auch Bornemann! Für seine Offenheit wird der schwule Pfarrer von vielen gelobt. Doch es hagelt auch Kritik. Vor allem, dass er homosexuell ist, polarisiert. „Einige Gläubige kommen deshalb auch nicht mehr.“

Ginflaschen als Fenster 

Die Anfeindungen halten sich in Grenzen. Schließlich geht Bornemann seinen regulären Pflichten nach. „Ich kann auch normal. Ich erzähle wie jeder Pfarrer biblische Geschichten und führe Gottesdienste.“

Die Ginflaschen in den Fenstern waren eine pfiffige Notlösung. Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt. Nach Kriegsende spendete die Spirituosenfirma Gilka Tausende leere Ginflaschen – dadurch konnten alle Fensteröffnungen geschlossen werden.

Am Strich in Schöneberg – Das ist Berlins Szene-Kirche

Im 2. Weltkrieg zerstörten Brandbomben die Fenster der Kirche. Provisorisch wurden Ginflaschen eingesetzt, die zu Tausenden von der Spirituosenfirma Gilka nach dem Krieg gespendet wurde. Bis heute sind sie in zehn Fenstern zu sehen. Inzwischen stehen sie unter Denkmalschutz (Foto: Christian Lohse)

Der Straßenstrich entwickelte sich in den Sechzigern. Anwohner kritisieren den Pfarrer, weil er sich nicht für einen Sperrbezirk ausspricht. „Wir sind nicht diejenigen, die die Prostitution abschaffen können“, sagt Bornemann.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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